Benzinpreis im Höhenflug: Lohnt sich jetzt ein Elektroauto?

Elektroautos werden immer beliebter

Die Zulassungszahlen bestätigen einmal mehr den den Trend zum Elektroauto. Über 17 Prozent betrug ihr Anteil bei den Fahrzeugzulassungen im September 2021. Gründe für deren wachsende Akzeptanz gibt es genug. Viele mögen einfach das GoKart-Feeling, andere den Nachhaltigkeits-Aspekt und eine weitere Gruppe hat noch kein E-Auto und steht beim Tanken ungläubig vor der Zapfsäule.

Benzin und Diesel werden immer teurer

Rund 1,70 Euro werden für einen Liter Super derzeit fällig – deutlich mehr als noch vor wenigen Monaten. Angesichts der Preisexplosion drängt sich daher für Immer mehr Autofahrer die Frage auf, ob sich nicht langsam doch ein E-Auto lohnen würde. Wagen wir also den Versuch und vergleichen Apfel mit Birnen, beziehungsweise die Kosten von Verbrennern und Elektroautos.

 

Macht ein Vergleich zwischen den Motorkonzepten überhaupt Sinn?

Der Ruf, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden und man beim Elektroauto auch immer im Hinterkopf behalten müsse, dass man sich damit auch andere Probleme, wie beispielsweise eine limitierte Reichweite, eingeschränkte Routenwahl etc. mit ins Boot holt, soll für diesen Vergleich keine Rolle spielen. Warum? Weil wir hier von einem durchschnittlichen Fahrprofil ausgehen, wie es auch im Alltag der meisten Autofahrer vorkommt. Und das ist, trotz anderslautenden Behauptungen auf so manchem Stammtisch, für ein aktuelles Elektroauto kein Problem.

 

Elektro vs. Benziner – Kosten im Vergleich

Stromer sind teurer. Im Vergleich zu einem vergleichbaren Fahrzeugmodell mit Benzinmotor, werden für das elektrifizierte Pendant mindestens 5.000 Euro mehr fällig.

Beispiel: Für einen halbwegs solide ausgestatteten ID.3 muss man rund 40.000 Euro auf den Tisch legen. Für einen ähnlich ausgestatteten Golf gleichen Baujahrs zahlt man rund 25.000 Euro. Rechnet man beim ID.3 nun noch die Förderprämie in Höhe von 9.000 Euro weg, bleibt unterm Strich ein mittlerer vierstelliger Preisvorteil des Benziner bestehen – und das trotz der üppigen Förderung.

 

1. Anschaffungskosten

Die eMobile Academy unterstützt in dieser schwierigen Situation den Autohandel mit speziell zugeschnittenen Seminaren, die nicht nur das Verkaufspersonal für die neue Antriebstechnologie, sondern auch für die damit verbundenen Fragen hinsichtlich öffentlicher und privater Lademöglichkeiten fit machen. Zudem zeigen wir auf, wie es möglich wird, das wegbrechende Werkstattgeschäft durch attraktive Cross-Selling-Angebote zu kompensieren.

 

Darum ist ein Elektroauto teurer

Größter Kostentreiber beim Elektroauto ist und bleibt die Batterie. Im Schnitt macht sie rund ein Drittel des gesamten Fahrzeugpreises aus. Das bleibt aber nicht ewig so, viele Studien kommen zu dem Schluss, dass es aufgrund stetig sinkender Batterie-Preise, innerhalb der nächsten vier Jahre zu einer Kostenparität beim Anschaffungspreis zwischen Stromern und Verbrennern kommen wird.

Dass es sich hier um keine Kaffeesatzleserei handelt, macht die bisherige Entwicklung des Batteriepreises deutlich. Allein in den letzten vier Jahren haben sich die Kosten pro Kilowattstunde hier halbiert.

Ein weiterer Grund, warum das Elektroauto in Zukunft günstiger werden wird: Für die Produktion sind deutlich weniger Monteure nötig, als das beim deutlich komplexen Verbrenner der Fall ist. Das hat beispielsweise auch Herbert Diess angesprochen.

 

2. Betriebskosten

Um die Betriebskosten eines Elektroautos seriös einschätzen zu können, muss man sich zunächst einmal Gedanken darüber machen, wo der Strom, mit dem die Batterie gefüllt werden soll, überhaupt herkommt.

Stammt der von der hauseigenen Photovoltaikanlage, ist die Anschaffung eines Elektroautos schon seit Längerem ein klassischer „No-Brainer“. Bei einem Strompreis von rund 7-8 Cent pro Kilowattstunde (damit sind sowohl die Anschaffungs- als auch die Betriebskosten einer Photovoltaikanlage gemeint), tankt man nicht nur günstig voll, sondern kann sich zugleich auch sicher sein, reinen Ökostrom im „Tank“ zu haben.

Bei einem Durchschnittsverbrauch von etwa 15 kWh pro 100 Kilometer kommt man auf Kosten von 1,20 Euro – pro 100 Kilometer. Stemmbar. Besitzer einer Photovoltaikanlage können sich also ins Fäustchen lachen und quasi zum Nulltarif tanken. Ein solcher Vergleich wäre aber leidlich unfair, schließlich hat nicht jeder eine Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Ein Elektroauto kommt, je nach Modell, auf einen Stromverbrauch von rund 15 kWh. Bezieht man seinen Strom nicht vom eigenen Dach, sondern von Eon und Co., wird es deutlich teurer. Etwa 30 Cent werden dann – EEG-Umlage sei Dank – fällig. Pro hundert Kilometer kommt man so auf Betriebskosten von 4,50 Euro.

 

Kostentreiber öffentliche Ladeinfrastruktur

An einer öffentlichen Ladesäulen hingegen wird es schnell teuer. Wie eine Studie ergeben hat, kommt es hier teils zu astronomischen Preisaufschlägen, weil manch ein Wettbewerber seine Quasi-Monopolstellung hier schamlos ausnutzt. Das Problem: Als E-Auto-Fahrer kann man solche Ausgaben nicht immer umgehen.

Will man beispielsweise mit dem Elektroauto in den Urlaub fahren, ist man auf die öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen.

 

Betriebskosten im Vergleich

Ein sprintsparender Verbrenner, der nur 5 Liter Benzin pro 100 Kilometer verbraucht, kommt derzeit auf rund 8,60 Euro pro 100 Kilometer. Klingt nicht nach besonders viel, macht bei einer Fahrleistung von 15.000 Kilometer aber 1.290 Euro im Jahr. Und der Stromer? Der wird für rund 675 Euro über die gleiche Distanz bewegt, wenn man weder an der öffentlichen Ladesäule, noch seinen selbst produzierten Strom tankt.

 

Verschleißteile und Co.

Ebenso zur Kategorie der Betriebskosten gezählt, werden die laufenden Kosten für den Werkstattaufenthalt, den Ölwechsel und das Austauschen von Verschleißteilen. Auch hier überrascht es kaum, dass die Kosten eines Verbrenners im Vergleich zum Elektroauto höher liegen – kein Wunder, schließlich besteht die Motor- und Getriebeeinheit eines Verbrenners aus rund 1.400 Einzelteilen. Der Elektromotor kommt hier auf nur rund 200 Teile.

 

3. Steuer und Versicherung

Besitzer eines Benziner müssen hier, je nach Hubraum und Größe des Fahrzeugs mit durchschnittlich 100 Euro im Jahr rechnen. Elektroautos sind bis 2030 von der KfZ-Steuer befreit, auch hier ist das Elektroauto also im Vorteil.

Beim den Kfz-Versicherung schenken sich die beiden unterschiedlichen Antriebsformen jedoch nichts. Für die Höhe des Versicherungsbeitrags sind andere Faktoren, wie beispielsweise die Größe und Leistung des Fahrzeugs, die Schadensfreiheitsklasse, oder der Regionalfaktor deutlich wichtiger als die Antriebsform.

 

Fazit

Rechnet man die eben genannten Faktoren zusammen und jeweils die anfallenden Kosten für die unterschiedlichen Antriebsformen gegeneinander auf, stellt man fest: Mit dem Elektroauto fährt man günstiger. Und zwar nicht nur ein wenig, sondern man spart sich tatsächlich unterm Strich einige hundert Euro – pro Jahr.

Aktuell gilt das aber nur fürs Fahren, beim Anschaffungspreis ist das noch nicht der Fall. Aber auch des letzte Bastion des Verbrenners gerät zunehmend ins Wanken.

 

Preisvorteil nur bei Neuwagen

Was man bei all der Begeisterung in dieser Rechnung ebenfalls nicht leugnen darf: Sie funktioniert nur in Verbindung mit der Förderungsprämie für Elektroautos. Der Gebrauchtwagenmarkt entwickelt sich hier gerade erst noch und es ist schwer festzulegen, ob und in wie weit sich ein gebrauchter Stromer gegenüber seinem Verbrenner-Pendant lohnen wird. Fest steht allerdings: Bei den steigenden Zulassungszahlen von Elektroautos ist es nur ein Frage der Zeit, bis dem Benzin- und Dieselmotor der Rang abgelaufen wird. Spätestens dann werden wir auch wissen, wie sich die Gebrauchtwagenpreise von Elektroautos entwickelt haben.

 

Und wenn die hohen Spritpreise nur ein temporäres Phänomen sind?

Dass die gerade aufgerufenen Höchstpreise für Benzin und Diesel sich in nächster Zeit wieder verschwinden und an den Tankstellen wieder ein akzeptabler Benzinpreis Einzug hält, ist aus zwei Gründen unwahrscheinlich.

Zum einen ist für die nächsten vier Jahre eine weitere Erhöhung des Benzinpreises um 15 Cent geplant, zum anderen handelt es sich beim Benzin, ebenso wie beim Diesel und allen anderen auf Öl basierenden Kraftstoffen, um eine endliche Ressource – das Angebot kann also nicht erhöht werden, womit sich der Preis nur über die Nachfrage reguliert.

Ersatz-Kraftstoffe, die aus Algen gewonnen werden, wie es derzeit schon in vielen Laboren erfolgreich praktiziert wurde, sind hier bewusst außen vor gelassen. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass ein solcher, aus Algen gewonnener Treibstoff in den nächsten zehn Jahren nicht günstig genug produziert werden kann.

 

Kostenrechner des ADAC

Wer nun mit der Anschaffung eines Stromes liebäugelt, sollte einen Blick auf den Autokosten-Rechner des ADAC werfen, ein wirklich nützliches Tool.

 

Quelle Beitragsbild: myenergi – Unsplash

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Veröffentlicht: 16.10.2021, Stefan Schmid