Die Mär vom unlöschbaren Elektroauto

Tiefgaragenverbot für Elektroautos

Auf Stellplatz 125 in einer Kulmbacher Tiefgarage ging ein alter Golf in Flammen auf. Der Brand wurde von der Feuerwehr gelöscht und nach ein paar Monaten konnte die Tiefgarage ihre Pforten auch wieder öffnen, Elektro- und Hybrid-Autos müssen ab sofort aber draußen bleiben. 

Der Fall in Kulmbach und das irrationale Handeln der Tiefgaragen-Betreiber steht sinnbildlich für die große Unsicherheit, die hier im Umgang mit Elektroautos herrscht. In diesem Beitrag wollen wir mit dem gefährlichen Halbwissen rund um die Brandgefahr beim Elektroauto aufräumen und einen echten Experten auf diesem Gebiet zu Wort kommen lassen.

Elektroautos und Feuer – rette sich wer kann?

Peter Bachmeier ist leitender Branddirektor der Berufsfeuerwehr in München. Er ist der Meinung, dass sich das Löschen eine Elektroautos im Allgemeinen weder komplexer, noch gefährlicher gestaltet, als es beispielsweise bei einem gasbetriebenem KFZ der Fall ist.

Auch handele es sich hier keineswegs um „Neuland“, von dem keiner sicher sagen könne, wie es letzten Endes funktioniert. Vielmehr ist die Frage, wie man Elektroautos am besten löscht bereits seit einiger Zeit von entsprechenden Gremien hinreichend thematisiert und ein Leitfaden für Einsatzkräfte ausgearbeitet worden.

Das Wissen, wie man ein Elektroauto sicher und effizient löscht, existiert also und steht den jeweiligen Einsatzkräften zur Verfügung. Dem voraus geht natürlich zunächst einmal die Frage, wie sich ein Elektroauto in einer solchen Situation verhält.

Wie brennt ein Elektroauto?

Pauschal kann man die Frage nicht beantworten, denn es gibt erhebliche Unterschiede beim Brandverhalten von Elektroautos. Dabei kommt es nicht nur auf den verbauten Akku und folglich das darin verwendete Material an (NiMh-Akkus findet man bei Elektroautos ebenso wie die klassischen Lithium-Ionen-Akkus) sondern auch auf den Ladezustand und die Zellchemie. Ferner spielt auch die Bauform des Akkumulators selbst in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.

Ganz allgemein kann man aber trotzdem sagen, dass der Brand mit einer starken Hitze- und Rauchentwicklung einhergeht, die von einem hellem Grau bis zu einem tiefen Schwarz reicht. Zudem sorgen austretende Elektrolyte dafür, dass es während des Brands zu zyklischen Stichflammen kommen kann.

Will man so ein brennendes Elektroauto nun löschen, muss man dafür sorgen, dass die Batterie gekühlt wird. Um das zu erleichtern, haben manche Hersteller eine Öffnung in ihr Fahrzeug integriert, damit die Feuerwehr im Brandfall dort Löschwasser einschleusen kann. Eine weitere Taktik ist es, das Fahrzeug komplett im Löschwasser, beispielsweise mithilfe eines Containers, zu versenken. Im geschilderten Tiefgaragen-Szenario ist das aber nahezu unmöglich.

Alternative Löschkonzepte für Tiefgaragen

Doch auch hier gibt es bereits hervorragende Lösungen am Markt. Um ein Übergreifen auf andere Fahrzeuge zu verhindert, bieten verschiedene Hersteller  wie z.B. Bridgehill Brandschutzdecken für E-Autos an. Werden diese über das Fahrzeug geworfen, können sie zwar nicht den Brand einer Li-Ionen Batterie ersticken, sorgen aber dafür, dass sich das Feuer nicht auf andere Fahrzeuge ausbreitet. Eine andere Option ist die sogenannte E-Löschlanze von Murer Feuerschutz, die von der Feuerwehr in die Batterie hineingeschlagen wird und über die dann Löschwasser direkt die erhitzten Zellen kühlt und somit den Brand effizient bekämpft.

Feuer in der Tiefgarage

Damit solche Fälle also im besten Falle gar nicht erst auftreten, sollten deshalb nicht nur beim Elektroauto selbst, sondern auch beim Tiefgaragen-Betreiber gewisse Mindeststandards eingehalten werden. Die brandschutztechnischen Schutzziele sind im Allgemeinen jedoch keinesfalls auf Elektroautos beschränkt, sondern gelten für alle Antriebsformen.

Völlig unabhängig von der zu löschenden Antriebsart, stellt die Brandbekämpfung in einer Tiefgarage sowieso ein besonders komplexes Unterfangen dar. Das liegt zum einen daran, dass die Tiefgarage für die Einsatzfahrzeuge sehr schwer zugänglich ist, zum anderen an den im Brandfall auftretenden schlechten Sichtverhältnissen. Geraten gar mehrere Fahrzeuge in Brand, kann das auch die Statik der Tiefgarage selbst beeinflussen. Die ganze Konstruktion ist dann einsturzgefährdet. Hier müssen die Einsatzkräfte also besondere Vorsicht walten lassen.

Das gilt aber für Verbrenner ebenso wie für Elektroautos, denn „die bisher bekannten Brandereignisse lassen nicht erkennen, dass sich das Risiko im Vergleich zu den ohnehin schon vorhandenen Gefahren erheblich erhöht”, so Bachmeier.
Entgegen der öffentlichen Meinung können also „auch in Brand geratene Elektrofahrzeuge von den Kräften der Feuerwehr gelöscht werden”.

Kein Grund für die Sonderbehandlung von Elektroautos

Eine Tiefgarage, wie im Fall Kulmbach, für Elektroautos und Plug-in-Hybride zu sperren, ist deshalb unsinnig. Sinnvoller wäre es, hier keine unbegründete Panik zu verbreiten, denn das wiederum verunsichert vor allem jene, die sich ein Elektroauto anschaffen wollen.

Update vom 04.05.2021: Die Stadt Kulmbach hat die Tiefgarage wieder für Elektrofahrzeuge freigegeben. Für den Fall, dass sich ein solches Ereignis wiederholen sollte, stehen nun Löschdecken sowie ein Bergungsfahrzeug bereit.

Quelle Beitragsbild: Aditya Rathod – Unsplash

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