Investieren in E-Mobilität.


Wie kann man als Privatanleger vom Wandel zur E-Mobilität profitieren?

Bis 2030 sollen 15 Millionen E-Autos in Deutschland über die Straße fahren. Außerdem soll der Anteil an regenerativen Energien stark steigen. Die Fahrtrichtung ist klar – Nachhaltigkeit wird immer relevanter. Wie kann man jedoch als Privatanleger von diesem Wandel profitieren?

Wir fragen die Experten. Im Interview mit Gero Gode vom Alpha Star Aktienfonds in Augsburg besprechen wir Strategien und Anlageklassen im Bereich der E-Mobilität.

In diesem Beitrag diskutieren wir folgende Themen:

  • Trendwende als Investitions-Chance?
  • Ist Tesla überbewertet?
  • Erreicht VW jemals die Margen von Tesla?

Performance des Alpha Star Aktienfonds

Disclaimer

Renditen und Kursverläufe der Vergangenheit sind kein Indikator für die Kursentwicklung in der Zukunft. Keine Angabe oder Aussage in diesem Artikel stellt eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf einer Aktie oder eines anderen Finanzinstrumentes dar, sondern dient ausschließlich der Information.

 

Trendwende als Investitions-Chance?

Raffael: Der Alpha Star Aktienfonds konzentriert sich auf den deutschsprachigen Raum. Also Deutschland, Österreich und die Schweiz. Im Fokus stehen vor allem mittelständische Unternehmen mit hohem Wachstumspotential.

Wachstumspotential ergibt sich oft aus Trendwenden. Mit dem neuen Koalitionsvertrag wurde die Verkehrswende in Deutschland eingeläutet. Weiterhin soll auch der Ausbau von regenerativen Energien stark ausgeweitet werden. Hier ergeben sich große Chancen für Investitionen, oder? Eigentlich ein optimaler Zeitpunkt um zu investieren?

Gero: Grundsätzlich ist immer die optimale Zeit, um zu investieren. Unternehmen werden aufgrund von neuen Technologien immer effizienter. Das gilt nicht nur für die Verkehrswende, sondern z.B. auch für die IT oder Medizin. Dementsprechend haben wir immer ein Wachstum. Diesen Effekt kann man durch die Beobachtung von Megatrends in beschleunigter Weise sehen. 

Als Investor ist es eine der wichtigsten Aufgaben, diese Trends vorherzusehen. Und vor allem auch die Investments zu finden, welche am Markt noch nicht bekannt sind. Eine Ankündigung, wie, dass mehr Elektroautos kommen sollen, ist keine Neuigkeit mehr. In dem Moment, in dem das ausgesprochen wurde und im Koalitionsvertrag steht, ist es für den Markt schon akzeptiert und würde keine Zusatzrendite mehr bringen. In dem Prozess des Megatrends tauchen aber immer wieder unerwartete Vorteile auf, z.B. die Förderungen für Elektroautos. Oder aktuell auch die Corona-Förderungen. Diese treten spontan auf und helfen einzelnen Unternehmen. Diese Unternehmen, die davon profitieren, kann man als Sondereffekt mitnehmen.

Grundsätzlich ist es sinnvoll in Trends zu setzen. Vor allem in diejenigen, die die nächsten 20 Jahre von Relevanz sind.

Ist Tesla überbewertet?

Raffael: Jetzt liegt der Fokus der eMobile Academy vor allem auf der Elektromobilität. Möchte man als Privatperson nun in diesen Megatrend investieren, denkt man zunächst an die Automobilhersteller – allen voran Tesla.

Tesla’s Marktkapitalisierung lag im Januar 2021 bei 670 Mrd. Euro. Die von VW, Daimler und BMW zusammen bei nur 190 Mrd. Euro.

Vergleichen wir nun die Zahlen aus dem Jahr 2020. Siehe Tabelle rechts mit dem jeweiligen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

Wäre Tesla ein deutsches Unternehmen, würdet ihr darin investieren? Was spricht dafür, was eher dagegen?

Gero: In Automobilhersteller zu investieren, wäre eine Art, von solch einem Megatrend zu profitieren. Sowohl VW, als Absatzmarktführender für E-Autos in Europa, als auch Tesla, werden Rückenwind durch den Trend spüren.

Eine Alternative von diesem Megatrend profitieren zu können, wären Investments in die Zulieferer oder Teileverarbeiter. Das schon mal vorweg. Es muss sich nicht ausschließlich um den Automobilhersteller selber handeln. Problem bei den Autoherstellern ist, dass diese meist große Unternehmen sind. Gerade auch VW steht auf sehr vielen Standbeinen und besitzt komplexe Verwaltungsprozesse, welche sich über die Jahre hinweg entwickelten. Ein solch großes Unternehmen ist für uns daher auch kein Investment. Durch Verzweigungen und Tochterunternehmen ist der Konzern relativ undurchschaubar. Wir sind eher die Stock-Picker. Wir versuchen die einzelnen wirklich guten Aktien herauszufinden. Wir sind nicht in der Lage, bei großen Konzernen so tief einzusteigen und eine echte Bewertung festzustellen.

Wenn man sich die KGVs anschaut, welche sozusagen die Kehrwerte der zu erwartenden Renditen sind, würde es erstmal keinen Sinn ergeben, in Tesla zu investieren. Allerdings schauen wir bei Investments auch auf die Strategien, wie Unternehmen z.B. eine monopolähnliche Stellung erzielen könnten. Und da ist Tesla, in einem von den sieben Strategien, die wir haben, sehr führend. Stichwort vertikale Integration. Das ist der einzige Anbieter in dem Segment, der es wirklich durchgezogen hat. Händler wurden etwa außen vor gelassen. Batterien und Chips werden selbst hergestellt. Von den Komponenten geht die Integration weiter bis hin zur Versicherung, Angebote zum autonomen Fahren, gesammelten Daten und Ähnliches. Man sieht bei Tesla keinen anderen Partner, der Preise mit ihnen verhandelt. Im Grunde nur mit sich selbst. Das geht in der Regel relativ gut aus. Und das ist der Grund, warum Tesla das Potenzial hat, noch mehr wert zu sein. Noch mehr wert als die Bewertung, die wir gerade an der Börse sehen. Problem ist, dass manche Investments oftmals mit einer hohen Risikokomponente behaftet sind. Gerade an diesem Beispiel würde man ganz klar sehen, dass der Börsenpreis extrem abhängig ist von einer Person ist. Wenn Elon Musk morgen nicht mehr da wäre, ist es sehr schwer vorstellbar, dass Tesla mit demselben Engagement weiterwächst.

Ein innovatives Unternehmen ist ein Bewertungskriterium. Das andere Kriterium, das Bewertungsniveau. Klartext: Ich brauche kein Unternehmen kaufen, welches einen absurd hohen Preis hat. Vor allem, wenn es zur selben Zeit Unternehmen gibt, welche ähnlich gut profitieren. Aber einen günstigeren Aktienkurs haben. Und eventuell auch noch in einer Nische agieren. Das sind die versteckte Perlen, die wir finden wollen.

Wäre Tesla nun in Deutschland, wäre es für uns A zu groß und B aufgrund der hohen Bewertung extrem riskant. Das hat man jetzt auch schon zum Ende des Jahres 2021 bzw. zum Beginn des Jahres 2022 gesehen. Die Bewertung von gehypten Aktien kann auch wieder fallen, wenn z.B. Zinsen angehoben werden. Diese Spekulation einzugehen, ist kein langfristiges Investment. Also wenn jemand Lust hat im Casino auf rot oder schwarz zu setzen, dann macht das bestimmt Spaß. Das ist aber keine langfristige Strategie.

 

Raffael: Also sobald die Zinsen angehoben werden, kommt es zu Korrekturen?

Gero: Immer. Es ist ja das Ziel, Luft aus dem Markt herauszunehmen. Die Inflationsrate in den USA war das letzte Mal vor circa 40 Jahren bei 7 %. Da gab es dann auch einen Zins von 11,5 %. Da sind wir jetzt „leicht“ darunter. Damals hat man sofort reagiert. Das ist heute aber ein wenig anders.

Es gibt unheimlich viele Komponenten. Gerade kurzfristig ist ein Zinsschritt immer etwas, was am Markt zunächst ankommt. Aber gleichzeitig sieht man auch, die Rhetorik wird angepasst. Wir selber achten auf Zinsen und solche Quoten überhaupt nicht. Unternehmen, die nicht verschuldet sind, betrifft eine Zinserhöhung auch nicht so stark.

Andreas: Zwei kleine Fragen die zum Autobauer passen. Von Micro gibt es einen Kleinwagen, welcher stark der Isetta ähnelt. Wäre das ein Unternehmen, was ihr euch im Automobilmarkt überhaupt anschaut? Oder ist das ein Startup, welches aufgrund seiner geringen Marktdurchdringung, für euch gar nicht in Frage kommt?

Gero: Ich weiß nicht, ob Micro börsennotiert ist. Das ist vorerst das erste Kriterium für den Aktienfonds. Das heißt, ein Start-up an sich kann kein Investment sein. Und sobald es an der Börse notiert ist, ist das Unternehmen meist schon etwas etablierter. Insofern muss man das relativieren.

Es gibt allerdings die Möglichkeit, dass aus Unternehmen Spin-Offs entstehen, die an dem Start-up noch mitbeteiligt sind. Die ein oder anderen Unternehmen haben eben Spin-Offs gegründet. Derjenige, der es ausgegründet hat, besitzt dann z.B. 25%. Die Muttergesellschaft als Inhaber und Kontrolleur besitzt dann die restlichen 75%. Und wir haben in der Vergangenheit tatsächlich schon solche Unternehmen – aber eher aus der IT-Branche – entdeckt. Bei denen ist das Spin-Off dann so enorm gewachsen, dass der Gewinnbeitrag zum Mutterunternehmen erheblich war. Die Tochter hatte einen Umsatz von einer halben Million und hat sich über die nächsten vier oder fünf Jahre jährlich verdoppelt. Dann kommen wir auf Zahlen, die sehr interessant werden für so einen Mittelständler.

Also, man muss sich die Start-ups anschauen, vor allem wenn sie noch im Besitz der großen Unternehmen sind.

Erreicht VW jemals die Margen von Tesla?

Andreas: Der zweite Punkt kommt bei uns aus dem Beraterkreis. Monatlich besprechen wir aktuelle Themen. Ein Thema war, inwiefern ein etablierter Autobauer überhaupt noch die Chance hat, an die Margen in Größenordnungen wie Tesla oder Vergleichbares zu kommen.

Gehen wir von dem Ansatz aus, dass Autobauer einen bestimmten Bestand an Autos in den Markt gebracht haben. Damals noch mit verhältnismäßig hohen Margen. Würden diese jetzt den ganzen Bestand durch Elektromobilität erstsetzen, müsste zwangsläufig ihre Marge auch sinken, weil sie das Batterie-Knowhow noch nicht im Haus haben. Gerade die Batterie ist der größte Kostentreiber eines elektrischen Fahrzeugs. Bewertet ihr sowas überhaupt? Hat Volkswagen jemals die Chance an Tesla heranzureichen, weil sie eben diese Altlasten mitherumschleppen?

Gero: Es ist definitiv schwerer. Das steht fest. Weil die Strukturen schon existieren und neue sehr langsam erst aufgebaut werden müssen. Weiterhin ist es auch eine Managementfrage. Ein Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzender hat nicht zwingend das Interesse, zu überlegen, was jetzt in 10 Jahren sein könnte. Meistens ist die Sicht etwas kurzfristiger. Ich kenne jetzt nicht die Durchschnittsdauer eines Vorstands im DAX – aber nicht besonders lange. Das ist eine Gefahr. 

Für uns ist die Kapitalverzinsung das wichtigste Kriterium. Also die Verzinsung des operativ investierten Kapital. Diese kann man im Grunde auf zwei Arten erhöhen:

  • Hohe Margen

Beispiel Tesla mit der vertikalen Integration. Aus Sicht der Maximierung der Marge kann das fast nicht besser gemacht werden.

 

  • Hohe Umlaufgeschwindigkeit

Die Umlaufgeschwindigkeit ist die Häufigkeit des Kapitalumschlags. Kann ich den Ertrag des investierten Kapitals schneller reinvestieren, kann ich dadurch wieder schneller etwas verkaufen. Beispiel: Ich verkaufe als Autobauer in einem Jahr zwei Autos, die Konkurrenz schafft es aber nur ein Auto abzusetzen. Dann würde mir doch die halbe Marge reichen. Anders gesagt handelt es sich um die Produktionsexzellenz, welche wir in Deutschland auch noch haben. Tesla hat diese sicherlich auch. Vor allem dadurch, dass sie alles von null aufgestellt haben. Die Qualität und die Möglichkeit, mehr Stückzahlen zu verkaufen, kann auch ein Vorteil erbringen.

Am Ende ist es wahrscheinlich auch eine Frage von economies of scale. Klar ist, dass man Batteriedefizite hat. Die Preise im Einkauf sinken aber auch mit der Anzahl.

Weiterhin sehen wir auch, dass Batteriehersteller mit immer besseren Batterien aus dem Boden springen wie Pilze. Hier wird es ebenfalls eine Anpassung der Preise geben. Ich würde behaupten, dass wenn man keine eigene Batteriefertigung hat, nicht automatisch verliert. Das ist aber harte Arbeit. Auch wenn der Markt wächst.

VW ID.3 VW – Newsroom

Im Teil 2 des Interviews besprechen wir folgende Themen:

  • Deutsche Autobauer in Gefahr?
  • Alternative Investitionsmöglichkeiten
  • Investitionen in USA und China?
  • Rohstoff als Anlageklasse?
  • Wie sieht es aus mit Minenaktien?

Hier geht es zum Teil 2 des Interviews…