Jahresrückblick Elektromobilität

Lockdown, Home-Office und Maskenpflicht – 2020 ist ein Jahr, das man so schnell nicht vergessen wird. Es wird uns aber nicht nur als Jahr der Pandemie in Erinnerung bleiben, sondern auch als das Jahr, in dem die Weichen Richtung Elektromobilität gestellt wurden. War es bis dahin noch eine vage Vermutung, so ist nun klar, dass der Antrieb der Zukunft elektrisch sein wird.
Für uns ist das Anlass genug, die Meilensteine der Elektromobilität im Jahr 2020 noch einmal Revue passieren zu lassen, schließlich wird man nicht oft Zeuge eines Wandels, noch dazu in einer Branche, die seit langem ein wenig „festgefahren“ wirkte.

 

Januar

Zugelassene Elektrofahrzeuge: 7.492

Test2

 

Das Jahr beginnt mit einem Paukenschlag von Daimler. Der deutsche Premiumhersteller gibt einen Einblick in seine Zukunftspläne – und die sind elektrisch. Dazu zählt nicht nur ein 70 Milliarden Euro schweres Entwicklungsprogramm, welches auf eine „konsequente Elektrifizierung“ setzt, sondern auch die Vorstellung zweier neuer elektrischer Fahrzeuge: Die Luxuslimousine EQS und der SUV EQA. Beide sollen im ersten Halbjahr 2021 bereits vom Band rollen.

Dass Daimler mit seinen Elektrifizierungsplänen ernst macht, zeigt sich aber nicht nur in seinem Kerngeschäft, den großen Boliden, sondern auch am Joint Venture mit Geely. Damit werde, so Daimler, „im Rahmen der Fahrzeugentwicklung das Smart-Produktportfolio in das wachstumsstarke B-Segment erweitert“.

Aber nicht nur das automobile Urgestein macht mit seinen Plänen ernst, sondern auch der Newcomer in der Welt des Fahrzeugbaus. Am 29.1.2020 hat Tesla den Kaufvertrag für ein Grundstück in Brandenburg unterzeichnet, um dort die vierte seiner global verteilten Gigafactories zu bauen. Dass es bei Tesla oft schnell geht, ist mittlerweile nichts Neues.

Wie schnell die Amerikaner aber trotz der zähen deutschen Bürokratie vorankommen, ist dennoch erstaunlich: Innerhalb weniger Wochen wird der Baugrund vorbereitet, mittlerweile (Stand: Dezember 2020) steht nicht nur bereits der Rohbau, sondern die ersten Gebäude befinden sich in den letzten Zügen der Fertigstellung. Im Frühjahr 2021 soll dann mit der Produktion des Model Y begonnen werden. Zum Vergleich: Ebenso ein Jahr nach dem ersten Spatenstich war man beim Flughafen Berlin gerade dabei, den Bau des Hauptterminals neu auszuschreiben.

 

Februar

Zugelassene Elektrofahrzeuge: 8.152

 

Am 11.2.2020 entscheidet die EU-Kommission, dass ab dem 18. desselben Monats neue und zwar höhere Prämien für Elektrofahrzeuge gelten. Der Beschluss und damit die Prämie gilt rückwirkend für Modelle, die am 4.11.2019 gekauft wurden. Während die EU den Autoherstellern damit ein wenig unter die Arme greift, gibt es in Sachen Entwicklung und Innovation ebenso Positives zu berichten.

Nachdem Deutschland den Beginn der elektromobilen Trendwende ein wenig verschlafen zu haben schien, haben die deutschen Unternehmen – allen voran Bosch – ein Stück weit das aufgeholt, was sie durch ihren selbst verordneten Dornröschenschlaf zu verpassen drohten.

 

März

Zugelassene Elektrofahrzeuge: 10.329

 

Anfang März gibt VW das Ende des Erdgasbetriebenen Motors (CNG) bekannt. Man wolle sich, so der größte Autokonzern der Welt, auf die Entwicklung und Produktion von Elektrofahrzeugen konzentrieren.

Auch die Bundesregierung widmet sich zu diesem Zeitpunkt zunehmend den Elektrofahrzeugen, beziehungsweise dem, was für deren Betrieb nötig ist: den Ladesäulen. Mit der Lademöglichkeit steht und fällt der Erfolg von Elektroautos und genau deshalb wird am 4. März ein Gesetzentwurf verabschiedet, der den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur genau dort vorantreibt, wo er am häufigsten benötigt wird, nämlich Zuhause und am Arbeitsplatz.

Wie der Gesetzentwurf zum Aufbau einer gebäudeintegrierten Lade- und Leitungsinfrastruktur für die Elektromobilität (GEIG) konkret aussieht, steht übrigens hier.

 

April

Zugelassene Elektrofahrzeuge: 4.635

 

Die Zulassungszahlen von Elektroautos haben sich im Vergleich zum Vormonat halbiert. Der Grund ist jedoch weniger im schwindenenden Vertrauen der Verbraucher gegenüber der neuen Technologie zu sehen, als in den neuen Förderungsmaßnahmen, welche die Bundesregierung plant. Viele geplante Autokäufe werden für die nächsten Wochen deshalb vorerst auf Eis gelegt.

Dafür tut sich bei der Brennstoffzellenentwicklung umso mehr, denn Daimler Trucks und die Volvo Group wollen ihre Ressourcen in diesem Bereich bündeln. Gelingen soll das mit dem Joint Venture Daimler Truck Fuel Cell GmbH & Co. KG, das beiden Unternehmen zu jeweils 50 Prozent gehören soll. Gemeinsam wollen die beiden Branchengrößen so an der „Schlüsseltechnologie für den CO2-neutralen Transport der Zukunft“ arbeiten, wie der Vorstandsvorsitzende der Daimler Truck Ag, Martin Daum, verrät.

 

Mai

Zugelassene Elektrofahrzeuge: 5.578

 

Um das Netz an öffentlich zugänglichen Ladesäulen weiter auszubauen kündigt Energieriese EnBW an, bis Anfang des Jahres 2021 nicht weniger als 1000 Schnellladesäulen flächendeckend über Deutschland verteilen zu wollen. „Dann hätten wir schon halb so viele Standorte wie die großen heutigen Tankstellenbetreiber für Benzin und Diesel“, frohlockt der Unternehmenschef Frank Mastiaux. In den nächsten fünf Jahren will das Unternehmen 500 Millionen Euro in die Strom-Infrastruktur investieren.

Während auf der einen Seite öffentlich zugängliche Ladestationen wie Pilze aus dem Boden sprießen, sorgt auf der anderen Seite die Bundesregierung dafür, dass diese auch im privaten Bereich vermehrt aufgestellt werden. Möglich gemacht werden soll das, indem das Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz reformiert wird. Konkret sollen damit Ansprüche auf Seiten der Mieter und auch der Vermieter festgelegt werden, die unter anderem den Einbau einer Ladesäule von Rechtswegen her erleichtern soll. So sollen in Zukunft mehr Ladesäulen in Tiefgaragen und auf Parkplätzen gebaut werden können.

 

Juni

Zugelassene Elektrofahrzeuge: 8.119

 

Mehr Umweltbonus. So könnte man den Juni 2020 für all jene zusammenfassen, die sowieso schon mit der Anschaffung eines Elektroautos geliebäugelt haben. Mithilfe der Innovationsprämie soll es beim Kauf eines Elektroautos, das weniger als 40.000 Euro kostet, keine 3.000, sondern 6.000 Euro Fördergeld vom Staat geben.

Zusammen mit den 3.000 Euro, die auf Seiten des Herstellers für den Kunden eines Elektrofahrzeuges bereitgestellt werden, kommt man als Neuwagenkäufer so in den Genuss einer 9.000 Euro schweren Förderung. Die folgenden Monate werden zeigen, dass der Umweltbonus für einen explosionsartigen Anstieg der Zulassungszahlen bei Elektroautos sorgt.

Pünktlich zum erhöhten Förderungsbetrag gibt es einen weiteren Meilenstein zu feiern, denn im Juni ist der 200.000 Antrag beim seit vier Jahren laufenden Förderprogramm eingegangen. Den Löwenanteil davon machen übrigens die Autobauer VW (24.696), Renault (24.861) und BMW (29.180) unter sich aus.

Im Zuge der gesteigerten Förderung nimmt Andreas Scheuer die deutschen Autohersteller noch einmal in die Pflicht. Diese, so der Verkehrsminister, sollten in puncto Elektromobilität noch eine Schippe drauflegen, denn die von der Bundesregierung forcierte Förderung sowie die wegen der Corona-Pandemie als notwenig erachtete Mehrwertsteuersenkung, werden zu einem Boom bei den Zulassungszahlen von Elektroautos führen. An dieser Stelle kann man bereits vorwegnehmen, dass der Verkehrsminister damit Recht behalten sollte.

 

Juli

Zugelassene Elektrofahrzeuge: 16.798

 

Im Juli hat BMW seinen iX3 vorgestellt. Das Modell wird es in vier verschiedenen Antriebsvarianten geben, eine davon ist ein reiner Elektroantrieb. Der darin verbaute 80kWh Akku sorgt für eine Reichweite von 460 Kilometern (nach WLTP) und ist laut Hersteller innerhalb von nur 34 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen. Einziger Wermutstropfen: Preislich ist der BMW Meilenweit von den Förderprogrammen entfernt.

 

August

Zugelassene Elektrofahrzeuge: 16.076

 

In diesem Monat ist eine Botschaft durchgesickert, die einer Kampfansage an den Elektroauto-Primus Tesla gleicht: Audi plant mit seiner Artemis-Platform ein Konkurrenzmodell zum Model S von Tesla auf die Beine, beziehungsweise auf die Reifen zu stellen. Die elektrifizierte Luxuslimousine soll oberhalb des Spitzenmodells A8 angesiedelt werden und eine Reichweite von 650 Kilometer haben. Ob die Bayern damit den langersehnten Tesla-Killer auf die Straße bringen, wird sich aber erst 2024 zeigen.

90 Kilometer entfernt von der Ingolstädter Audi-Zentrale ist der eMobile Academy in Augsburg ebenso ein großer Wurf gelungen, denn seit August ist sie Kooperationspartner der DEKRA. Damit ist die hohe Qualität der Ausbildung nun auch von offizieller Seite zertifiziert.

Im August soll sich zur Meinung Andreas Scheuers (wir erinnern uns an den Juni) noch jene des TÜV-Verbandes hinzugesellen. Diesmal aber werden nicht nur die Automobilhersteller in die Pflicht genommen, sondern auch die Bundesregierung. Diese solle, so geht es aus dem Positionspapier zur Elektromobilität des TÜV-Verbandes hervor, stärkere Anreize setzen, die zum Kauf eines Elektroautos motivieren. Ebenso wird ein dichteres Netz an Ladesäulen und eine bessere Aufklärung der Bevölkerung, was die Reichweite von Elektroautos anbelangt gefordert. Denn, so Jannis Dörhöfer, New Mobility Experte beim TÜV-Verband (VdTÜV): „Die Akzeptanz für die Elektromobilität ist kein Selbstläufer und muss aktiv gefördert werden“.

 

September

Zugelassene Elektrofahrzeuge: 21.188

 

48 Milliarden Euro will der Volkswagen Konzern bis 2024 in Elektromobilität investieren. 15 Milliarden davon, so geht aus einer Pressemitteilung vom September hervor, in China.

Damit ist die Marschrichtung der nächsten Jahre mehr als deutlich vorgezeichnet. Flankiert wird die Nachricht der geplanten Investitionen und der elektrischen Ausrichtung des Konzerns nicht nur mit einem „spontanen“ Besuch Elon Musks in Wolfsburg, sondern auch von der Vorstellung des ID.4, der eine Art Zugpferd des Wandels bei den Wolfsburgern werden soll. Der elektro-SUV in Tiguan-Größe hat eine Reichweite von bis zu 520 Kilometern und soll preislich bei etwas unter 37.000 Euro beginnen.

 

Oktober

Zugelassene Elektrofahrzeuge: 23.158

 

Im Oktober veröffentlichte die Unternehmensberatung PwC eine Studie, in der sie zu dem Schluss kommt, dass die USA trotz Tesla in den nächsten Jahren in Sachen Elektromobilität zunehmend ins Hintertreffen geraten wird. Während der Marktanteil von E-Autos in China und Europa in den nächsten 15 Jahren weit jenseits der 50 Prozent Marke sein wird (Europa: 67%, China: 55%), prognostiziert die Unternehmensberatung für die USA lediglich einen Marktanteil von 14 Prozent.

Dass die Europäer in puncto Elektromobilität sogar den elektroaffinen chinesischen Markt überholen könnten, liegt dabei freilich nicht nur an Deutschland. Auch unsere Nachbarländer widmen sich dem Thema Elektromobilität im Jahr 2020 zunehmend.
Besonders interessant ist dabei ein Projekt in Frankreich. Dort wurde im Oktober damit begonnen, Ladepunkte an Straßenlaternen zu errichten. Die Idee ist smart, denn dort sind nicht nur die entsprechenden Leitungen bereits vorhanden, sondern auch die Infrastruktur selbst besteht in Städten und Gemeinden bereits. Verantwortlich für das Projekt ist das Berliner Startup Ubitricity in Rely, das auch in Deutschland und Großbritannien ein derartiges Projekt plant.

Apropos europäische Nachbarn: Auch die kurz vor dem Brexit stehenden Briten machen noch einmal deutlich, dass beim Ausbau der Elektromobilität mit ihnen zu rechnen ist. Im Oktober wurde dazu ein Gesetz verabschiedet, nach dem ab 2030 keine neuen benzin- und dieselbetriebenen Fahrzeuge mehr auf britischen Straßen zugelassen werden sollen. Droht Deutschland von den Briten in Sachen Elektromobilität überholt zu werden? Der Professor für Automobilhersteller an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, Stefan Bratzel, glaubt dies jedenfalls nicht. Dafür, so der Experte, werde die britische Autoindustrie in den nächsten Monaten und Jahren zu sehr vom Brexit gebeutelt.

Ebenfalls im Oktober, nämlich am 22., startete die eMobile Academy ihre erste Seminarreihe zur Ausbildung von „Berater/-innen für Elektromobilität und alternative Antriebe“. Wer daran erfolgreich teilnimmt, erhält nicht nur wertvolles Fachwissen, sondern bekommt dieses auch durch ein DEKRA Zertifikat an der eMobile Academy bestätigt.

 

November

Zugelassene Elektrofahrzeuge: 28.965

 

Die Anzahl an neu zugelassenen Fahrzeugen ist im Vergleich zum November 2019 um +522,8 Prozent gestiegen. Darüber hinaus haben Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb erstmals einen Anteil von 10 Prozent an den neu zugelassenen Fahrzeugen in Deutschland.
Am 5. November wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) das Kumulierungsverbot aufgehoben.

Ab dem 16. November dürfen deshalb verschiedene Förderungen im Zusammenhang mit Elektroautos kombiniert werden, den Zulassungszahlen der nächsten Monate dürfte die Entscheidung des Ministeriums dabei sicherlich zuträglich sein. Mehr dazu hier.
Am 24. November, genau einen Monat vor Weihnachten also, startet die Bundesregierung dann mit ihrem Weihnachtsgeschenk an alle aktuellen und zukünftigen E-Auto-Fahrer, indem die KfW-Förderung anläuft. Private Wallboxen werden damit (unter bestimmten Bedingungen, die hier mit 900 Euro pro Ladesäule gefördert. Das Resultat: 16.000 Anträge innerhalb weniger Stunden.

 

Dezember

Über 136.000 E-Autos sind in Deutschland bis Ende dieses Jahres neu zugelassen worden, wobei zum Zeitpunkt der Datenerhebung der Monat Dezember noch nicht in die Wertung mit eingeflossen ist. Damit steigt die Zahl der insgesamt in Deutschland zugelassenen E-Autos auf knapp 400.000. (Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/265995/umfrage/anzahl-der-elektroautos-in-deutschland/)
Im internationalen Ranking befindet sich Deutschland damit auf Rang drei. 2015 rangierte die Autonation in dieser Statistik noch auf Rang acht. Ebenso eine Erfolgsmeldung kann die eMobile Academy für sich verbuchen, innerhalb kürzester Zeit sind nämlich 19 „Berater/-innen für Elektromobilität und alternative Antriebe“ mit DEKRA Zertifikat ausgebildet worden. Tendenz auch hier: stark steigend.

Astronomische Wachstumsraten auf der einen Seite und geplante Milliardeninvestitionen auf der anderen Seite machen deutlich, dass man 2020 getrost als Boom-Jahr der Elektromobilität abstempeln kann. Dabei deutet vieles darauf hin, dass es hier in nächster Zeit nicht schlechter laufen wird. Auch im neuen Jahr ist also mit vielen spannenden Entwicklungen, großen und kleinen technischen Durchbrüchen und nicht zuletzt auch neuen Erfolgsmeldungen der eMobile Academy zu rechnen.

Quelle Beitragsbilder: Bild 1: Daimler MediaBild 2: Guillaume Périgois – UnsplashBild 3: Chuttersnap – UnsplashBild 4: Daimler MediaBild 5: Colin D – UnsplashBild 6: Ricardo Gomez Angel – UnsplashBild 7: BMW MediaBild 8: Lucht Renolfi – UnsplashBild 9: Volkswagen MediaBild 10: Flipboard – UnsplashBild 11: Markus Spiske – UnspalshBild 12: Statista