Kälte und Stau – ein Problem für Elektroautos?

Elektromobilität – (k)ein Wintermärchen?

In diesen Tagen passiert in Deutschland etwas, womit kaum noch jemand gerechnet hätte: es schneit. Und zwar eine Menge. In Schleswig-Holstein beispielsweise waren die Schneemassen so gewaltig, dass so mancher Autofahrer die Nacht in seinem Fahrzeug verbringen musste.
Für einen Verbrenner ist das zunächst einmal kein großes Problem, schließlich produziert ein Diesel- bzw. Benzinmotor sowieso größtenteils Abwärme. Im Alltagsbetrieb ist diese eigentlich ein Problem, schließlich will man mit dem Auto ja eigentlich vorwärts kommen und nicht heizen, hier wird die Ineffizienz aber zum Vorteil.

Ganz anders das Elektroauto: Sein größter Vorteil ist die hohe Effizienz: 90 Prozent seiner Energie geht direkt in den Antrieb, Wärmeentwicklung gibt es hier kaum. Ist man als E-Auto-Fahrer also im Schneetreiben auf der Autobahn dazu verdammt, einen qualvollen Kältetod im Auto zu finden?

Ein Praxisbeispiel

Nehmen wir also an, wir sitzen in einem durchschnittlichen Elektroauto wie es mittlerweile tausende in Deutschland gibt. Nehmen wir weiter an, wir sitzen in unserem neuen ID.4 mit der kleinen 52kWh-Batterie. Laut WLTP schafft man damit knapp 350 Kilometer, in der winterlichen Realität ist die Reichweite – selbst bei moderater Fahrweise – wohl deutlich unter der 300-Kilometer-Grenze anzusiedeln.

Weil wir schon einige Zeit unterwegs sind, bevor wir vom Stau überrascht werden, ist die Batterie bereits zu Hälfte leer, 26kWh Restkapazität zeigt das Display an, wenn wir auf das Stauende zufahren und uns die Frage stellen:

Wie heizt eigentlich ein Elektroauto?

Bei modernen Stromern mit einer Wärmepumpe. Die ist zwar etwas träge, wenn man morgens völlig verfroren ins Auto steigt, für lange Wartezeiten im Stau aber ideal, denn die Technologie hat einen großen Vorteil: Um die Temperatur zu halten, nuckelt sie nur ca. 0,5kW pro Stunde aus dem Akku.

Für unser Stau-Szenario heißt das: Man könnte die Heizung volle zwei Tage lang durchlaufen lassen, ohne dass es im Fahrzeuginneren kälter wird. Oder anders gesagt: Rein rechnerisch sollte man sich mehr Sorgen um Getränke und Snacks machen, als um den Akku.
Auf Entertainment braucht man in dieser Situation übrigens nicht zu verzichten, denn andere Stromabnehmer, wie Autoradio und Smartphone (man muss sich ja irgendwie die Zeit vertreiben) sind in dieser Rechnung schon mit eingeschlossen. Die Geräte haben allerdings einen derart niedrigen Stromverbrauch, dass sie nicht weiter ins Gewicht fallen. Der größte Stromabnehmer im Elektroauto – und dafür ist die Batteriegröße letztlich ausgelegt – ist eben der Motor.

Apropos: Unser benzinbetriebener Nachbar muss den zum Heizen natürlich anlassen. Verbrauch pro Stunde: circa ein Liter. Nun kann man nur hoffen, dass er im Vorfeld noch volltanken war.

Quelle Beitragsbild: Erik Mclean – Unsplash

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