Kommt bald der Elektrobagger?

Auch die Baumaschinenindustrie steht vor einem Wandel

In Autos und Bussen hat der Elektroantrieb längst Einzug gehalten und selbst Elektro-LKWs sieht man bereits vereinzelt auf Europas Autobahnen. Nur ein Industriezweig scheint vom neuen Antriebskonzept bisher weitestgehend verschont geblieben zu sein: Baufahrzeuge. Doch auch hier zeichnet sich eine Entwicklung hin zum Elektromotor ab und es gibt erste vielversprechende Ansätze. Dabei mag die Kombination von Baumaschine und Elektromotor auf den ersten Blick überraschen. Schließlich, so die landläufige Meinung, brauchen diese jede Menge Kraft und müssen im Arbeitsalltag oft mehrere Stunden im Dauereinsatz durchhalten.

 

Gründe für die Elektrifizierung der Baubranche

Die Gründe, welche innerhalb der Baumaschinenindustrie für einen Wandel hin zur Elektromobilität sprechen, ähneln denen aus dem PKW-Bereich. Eines der gewichtigsten Argumente ist deshalb auch hier der Umweltschutz. Und dieses Argument wiegt bei Baumaschinen überraschend schwer. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen gehen nämlich 38% der kumulierten Kohlenstoffdioxid-Emissionen auf das Konto der Bauwirtschaft. Da scheint es nur eine Frage der Zeit, bis eben auch dieser Industriezweig ins Visier der weltweiten CO2-Fahundung gerät, schließlich haben sich Staaten weltweit dazu verpflichtet die Umwelt zu schützen und für eine saubere Luft zu sorgen.

Geht es nach dem Fahrzeughersteller Volvo EV, kann es mit dem daraus resultierenden Wandel in der Baumaschinenindustrie garnicht schnell genug gehen. „Elektromaschinen werden die Straßen, Brücken und Stromleitungen von morgen bauen, und sie werden dies ohne Treibhausgasemissionen tun“, so Dr. Ray Gallant, der Leiter des Ressorts Produktmanagement und Produktivität bei Volvo Construction Equipment. Bei aller Euphorie gibt es aber auch die ein oder andere Hürde, die überwunden werden muss.

Die Probleme elektrifizierter Baustellenfahrzeuge

Infrastrukturprobleme

Eine der größten Hürden ist die fehlende Infrastruktur. Das erscheint zwar wie eine Neuauflage des PKW-Problems, denn auch hier wird immer wieder von der unzureichenden Infrastruktur berichtet, im Falle der Baumaschinen verschärft sich dieses Problem aber nochmals, da dort wo die Maschinen eingesetzt werden oft noch keine Stromleitungen verlegt sind. Hier geht es also in erster Linie nicht um eine Modifikation der vorhandenen Infrastruktur, sondern um das Fehlen eben jener. Ein möglicher Lösungsansatz wären mobile Akku-Einheiten, an denen die großen Baumaschinen laden können. Allerdings gibt es bei diesem Lösungsansatz nicht nur ein logistisches Problem (ein solch großer Akku ist schwer zu transportieren), sondern auch ein monetäres, schließlich sind die Stromspeicher in der Anschaffung sehr teuer.

Termindruck

Ein weiteres Problem ist der Arbeitsrhythmus der in der Baubranche oftmals vorherrscht. Extremer Zeitdruck steht hier an der Tagesordnung. Baustellen, auf denen rund um die Uhr gearbeitet wird, sind keine Seltenheit. Bei einer solchen Belastung geht der Akku zwangsläufig irgendwann in die Knie. Wegen diesem Problem verfolgt die Baubranche beim forcierten Wandel hin zur Elektromobilität einen gänzlich anderen Plan als die PKW-Hersteller. Letztere haben zuerst damit begonnen, die Oberklasse-Limousinen mit Elektromotoren auszurüsten, um mehr Platz und nicht zuletzt auch Budget zu haben. Die Baumaschinenindustrie scheint einen umgekehrten Weg einzuschlagen, indem sie die kleinen, günstigen Modelle zuerst elektrifiziert.

Der Grund liegt im Anwendungsbereich der kleinen Maschinen. Diese laufen während des Arbeitstages nicht durchgehend und müssen deshalb nicht so lange am Stück durchhalten wie ihre größeren Brüder. Ein weiterer Punkt, der für den Einsatz von Elektromotoren in kleineren Baumaschinen spricht, sind die damit einhergehenden neuen Einsatzmöglichkeiten eben jener. Weil die neue Generation Baumaschinen keinerlei Schadstoffe mehr ausstößt, erweitert das ihre Einsatzmöglichkeiten enorm. In Wohngebäuden können sie genauso arbeiten wie bei Sanierungsprojekten oder auf Obstplantagen.

Keine Leistungseinbußen durch Elektroantrieb

Es mag überraschen, aber der von vielen befürchtete Leistungseinbruch bleibt in diesem Zusammenhang aus. Baumaschinen mit Elektromotor sind in puncto Leistung durchaus mit ihren dieselbetriebenen Pendants vergleichbar. „Es gibt bereits Vorreiter, die elektrische Baumaschinen erfolgreich einsetzen, und diese Vorreiter stellen fest, dass sie ihren CO2-Fußabdruck bei gleich hoher Leistung senken können“, so Ray Gallant weiter.

Während die Leistung also nahezu unverändert bleibt, gibt es bei den Punkten Lärmemission, Vibration und Emissionen ein deutliches Plus auf Seiten des Elektroantriebs zu verzeichnen. Unter diesen Gesichtspunkten können wir uns der Vision Gallants nur anschließen: „Die Baubranche steht unmittelbar vor einer umfangreichen Transformation“.

Quelle Beitragsbild: Gerold Hinzen – Unsplash

 

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